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Eine Bekanntschaft durchaus mit Auswirkung auch auf von Thourets Art der Gestaltung, wie sein wohl bestes Werk, das Kurhaus zu Bad Cannstatt zumindest nahe legt. Der langgestreckte Bau gefällt zuvörderst durch sein originelles Moment, durch eine Ausdrucksstärke, die vor allem die Mittelpartie der Schauseite in sehr vorteilhaftes Licht rückt. Der Klassizismus des Kurhauses wurde keiner strengen und erhabenen Säulenordnung verpflichtet, wie man sie dank Schinkel in Berlin oder von Klenze in München stetig mehr bewunderte, sondern einer ungewöhnlichen und markanten Geste. Das Kurhaus stellt keine leichte und elegante Ausführung zur Betrachtung, erscheint vielmehr schwer und von wuchtiger Natur. Kurzum das Kurhaus wurde errichtet im Geiste Weinbrenners.
Das beginnt schon beim Detail. Die Kapitelle der Pilaster und Rechteck-Pfeiler gerieten weit ausladend und somit kraftvoll und sind zweifelsohne von Weinbrenners Kapitellen inspiriert, ebenso wie der Verzicht auf die Basen, welche entfielen zugunsten eines dynamischeren Emportretens aus dem umlaufenden Sockelstreifen.
Die Mittelpartie stellt eine außerordentlich gelungene Komposition; originell, eine Verschmelzung aus Pilaster-Portikus und Monopteros, zusammengebunden durch das schwere dorisierende Gebälk, das über die gesamte Gebäudevorderseite hinwegläuft. Diese Geste ist ohne direktes Vorbild bei Weinbrenner und dennoch deutet der Verzicht auf eine "saubere" Säulenordnung zugunsten des markanten Ineinanderschiebens zweier grund-verschiedener Tempeltypen, welche durch das runde Heraustreten des schweren Gebälks einen wuchtigen Eindruck hinterlässt durchaus auf Weinbrenner. Auch der beinahe als reiner Halbkreis ausgeführte und gleichfalls schwer, merkwürdig klein und damit nur wenig einladende Eingang findet bei Weinbrenner Parallelen (Villa Hamilton — Sammlung '1', Nummer 11 / Stephanienbad — Sammlung '1', Nummer 31), nicht anders der Anschluss des Monopteros-Daches an den Dreiecksgiebel, welcher unmittelbar an Weinbrenners Lösung bei Eckgebäuden mit runder turmartiger Eckpartie erinnert.
Nichtsdestotrotz stellt das Kurhaus zu Bad Cannstatt ein selbstbewusstes Werk von Thourets dar, vor allem weil ohne direkte Parallele zu einem Werk Weinbrenners, und da es einer klaren konstruktiven Ordnung unterliegt und (abgesehen von der Rückseite) somit der wuchtigen Wirkung des Baukörpers, die für Weinbrenner so typisch, absagt. Von Thouret führte völlig selbstständig durch, lässt darin aber den Geist Weinbrenners erkennen.
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Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale und Wirkungen; Betrachtung des Gebäudes vor Ort
2) Tilman Mellinghoff, David Watkin "Deutscher Klassizismus: Architektur 1740-1840", Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989
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