Baukunst in Baden
  Burg Hoh-Andlau
 


Die weithin sichtbare Doppelturm-Anlage der Burg Hoh-Andlau ist nicht nur eine der schönsten Burgen des Elsass, sondern gleich der gesamten Rheinebene! Welch' Markanz durch die beiden Türmen, malerisch, gleich einem Idealbild einer mittelalterlichen Veste! Die Burg auf Gemarkung der Gemeinde Andlau, einem romantischen Weindorf, steht in Spornlage 451 Meter hoch in den Vogesen, dabei sogleich zwei enge Täler überwachend: das Andlau- und das Kirneck-Tal.
1246 bis 1264 erbaute Eberhard von Andlau aus sorgfältig gemeißelten Granit-Blöcken, dem Steinmaterial der Vogesen. Die frühgotische Anlage aus Hauptburg und jüngerer Vorburg wurde noch bis 1806 bewohnt, danach setzte allmählicher Verfall und die beinahe unvermeidliche Nutzung als bequemer Steinbruch ein. Letzterer dezimierte die Vorburg auf nur noch wenig eindrucksvolle Mauern, hielt sich glücklicherweise aber von der Hauptburg fern. Bis 1806 genutzt, war die Hoh-Andlau die letzte bewohnte Höhenburg der Vogesen! 
Die linke Abbildung zeigt die Südwest-Seite der Hauptburg, die sich monumental über einem künstlich angelegten Halsgraben erhebt. Die beiden Türme "spannen" den Burg-Palas förmlich auf. Die gleiche Seite sieht man auf der rechten Abbildung, diesmal jedoch in Fernsicht, von einer Stelle unweit der Spesburg. Im Hintergrund erhebt sich schemenhaft der Schwarzwald.

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Auf der linken Abbildung blickt man durch den entkernten Palas der Hauptburg auf den Nordturm. Beide Türme sind nach außen rund, bei einem Durchmesser von ca. 10 Metern, zum Wohnbau jedoch abgeflacht um die geraden Außenmauern des Palas noch oben fortsetzen zu können. Die Türme sind leider nicht begehbar. Als schönstes Detail sieht man beim Nordturm einen Spitzbogen-Austritt, der einst knapp über dem Dach des Wohnbaus stand; zwei ausladende Granitkonsolen weisen eine Plattform nach.
Die Fotografie rechts oben zeigt das südliche Turm-Pendant, wiederum aus dem Palas beobachtet. Auch hier eine gotische Spitzbogen-Öffnung mit Konsolen.
Rechts unten blickt man von innen auf die Ostwand des Wohnbaus. Ihre enorme Mauerstärke von über einem Meter bewahrte vor Verfall. Alle Palas-Mauern sind weitgehend intakt; verloren gingen die hölzernen Konstruktionen des Daches und der Zwischendecken, wie oben bemerkt durch allmähliche Durchfeuchtung, Fäulinis, endlichen Verfall. Die Tiefe der Mauern wurde bei den Fenstern für Sitzbänke genutzt.

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Überaus monumental erhebt sich die Hauptburg über die Vorburg, dem nach Osten steil abfallenden felsigen Gelände geschuldet (Bild links oben). Die meisten Öffnungen haben ihre gotischen Stein-Rahmungen verloren, wo sie jedoch ehalten, gewahrt man frühgotische Maßwerkfenster. Die wehrhaft-abweisende Geste der Ostseite (genauer von Südosten nach Nordwesten verlaufend) wird durch das Nach-vorne-Treten des Palas', der ungefähr in der Mitte die entsprechende Spitze ausformt, beträchtlich gesteigert. Die spitze Kante vollendet das durch die beiden Türme entfachte Idealbild von Burg.
Links unten blickt man nochmals durch den Palas auf den Nordturm. Noch zahlreiche Konsolen, einst die Balken der Decken tragend, lugen aus den Granitmauern. Von außen wie von innen beeindruckt die Sorgfalt der Granitstein-Verarbeitung.
Ganz rechts der Nordturm, aus dem Halsgraben im Westen der Anlage betrachtet. Deutlich hebt sich das oberste Stockwerk ab: es wurde mit abweichender Verarbeitung später aufgesetzt; auch der Südturm erhielt eine spätere, entsprechende Aufstockung. Die noch mittelalterliche Verlängerung der Türme, exakt der bestehenden Grundform nachfolgend, hat die Türme einer schlankeren, reizvolleren Proportion zugeführt. Was einst natürlich einzig aus Wünschen gesteigerter Wehrhaftigkeit ausgeführt wurde, hat die Markanz der Hauptburg noch weiter gesteigert.

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Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale; Burg und Landschaft
2) Walter Hotz "Handbuch der Kunstdenkmäler im Elsass und in Lothringen", Deutscher Kunstverlag GmbH München Berlin, Ausgabe 1970
3) Wikipedia-Artikel "Burg Haut-Andlau"


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