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Moller lies die Wirkung der Körper und Massen so weit gedeihen, dass man sich fast schwer tut, die Ludwigskirche als genuin klassizistisches Werk zu verstehen. Im Grunde sieht man hier unverhohlene Revolutionsarchitektur, die sich gerade noch weniger klassizistischer (antiker) Applikate befleißigt: hier ein Dreiecksgiebel, dort ein paar Pilaster — das war's dann schon. Die Darmstädter Ludwigskirche ist im Rahmen des baulich (vernünftig) möglichen verwirklichte Revolutionsarchitektur.
Drei Baukörper, nach Moller also für korrigierende Maßnahmen gehalten.
1) Der "Säulenwald" des Pantheons wurde in einen Block stehenden Formats verwandelt. Standesgemäß mit Dreiecksgiebel bekrönt, fällt aber in erster Linie das monumentale, ungemein hohe und fast bis zum Giebel aufschneidende Rundbogenportal ins Auge. Immerhin, dieses findet in den Eckpilastern mit korinthischen Kapitellen und fein gearbeitetem Bogen Säumung durch edle Details. Der Dreiecksgiebel auf Rollwerkkonsolen hingegen kann kaum einfacher gedacht werden.
2) Der Zylinder des Pantheons erschien Moller vermutlich allzu schroff, nicht ausreichend gegliedert. Durch eine umlaufende Reihe Pilaster konnte dem "Abhilfe" geleistet werden. Auf hohem Sockel stehend, selbst basislos und umso schwungvoller aus diesem in die Höhe strebend, tragen die dorisierenden Kapitelle ein hohes, zweifach gegliedertes Gebälk, das im vom Dreiecksgiebel ausgehenden Rollwerkkonsolen-Kranz Abschluss findet. Die Fläche zwischen den Pilastern strukturiert sich durch horizontale Putzrillen und weist in Analogie zu den beim Pantheon statisch notwendigen Entlastungsbögen solche als eine Art von Muster auf. Urbild und hessische Interpretation gefallen sich durch beinahe vollständige Öffnungslosigkeit .
Mollers Zylinder macht neben der monumentalisierenden Geschlossenheit der Wand durch das rhythmische Spiel der Pilaster und "Entlastungsbögen" sowie durch die Ausgewogenheit horizontaler und vertikaler Dynamik einen wahrlich ausgezeichneten Eindruck.
3) Endlich die Kuppel, die als reiner Körper und durch vertikale Aufkantungen aufsteigend dynamisiert tatsächlich einen weitaus eleganteren Eindruck macht als die von den Problemen antiker Statik gezeichnete mehrfach horizontal gestufte und somit schwerfällige Kuppel des Pantheons. Letzterer muss ob der ingenieur-technischen Leistung ihrer Zeit freilich weit mehr Respekt gezollt werden, und dennoch Mollers leichte Kuppel beeindruckt nicht minder, gleicht in ihrer Leichtigkeit gar einem in Kürze aufsteigenden schon halb herausschauenden Gasballon. Allerdings muss man anmerken, dass die Kuppel erst im Zuge des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg diese elegante Fassung erhielt. Ursprünglich war das Dach schiefergedeckt, was wohl den runden Körper noch besser zur Geltung brachte, dafür aber den reizvollen vertikalen Zug der Blecheindeckung missen lies.
Moller leistete für Darmstadt, der Hauptstadt des Großherzogtums Hessen eine Aufgabe, die bei geringerer Quantität der Weinbrenners für die badische Hauptstadt nicht unähnlich war, und die Ludwigskirche bildete darin zweifellos den Höhepunkt. In den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs wurde Mollers Werk und mit diesem die gesamte Stadt im Wortsinne dem Erdboden gleich gemacht. Kluge Menschen sorgten für den Wiederaufbau des Darmstädter Pantheons, das (im Äußeren) zusammen mit dem gleichfalls bombengeschädigten Theater (siehe Sammlung '3', Nummer 10) das einzige Überbleibsel des einst so reichen Wirkens Mollers für Darmstadt bedeutet.
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Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale und Wirkungen; Betrachtung des Gebäudes vor Ort
2) Tilman Mellinghoff, David Watkin "Deutscher Klassizismus: Architektur 1740-1840", Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989
3) Dieter Dolgner "Klassizismus", E.A. Seemann Verlag Leipzig 1991
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