Baukunst in Baden
  Durlach Gericht (31)
 



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Gerichtsgebäude in (Karlsruhe-)Durlach   /   Heinrich Hübsch?   /   um 1840

In den ersten Jahren nach seiner "Inthronisation" zum badischen Oberbaudirektor in der Nachfolge des 1826 verstorbenen Friedrich Weinbrenner, hat sich Heinrich Hübsch rhetorisch zwar schnell vom Lehrmeister distanziert, bleibt ihm jedoch in den gebauten Werken sichtbar verhaftet.
     Das Gerichtsgebäude in Durlach trägt schon alle Zeichen des sich auch dank Heinrich Hübsch in den 1830ern immer stärker durchsetzenden "Romantischen Stils". Dieser bedeutet nicht nur Abkehr vom Lehrmeister, vielmehr wird die Vorliebe zur Antike aufgehoben und eine Stilrichtung implementiert, die sich aus italienischer Renaissance und Wurzeln der Baukunst des eigenen Landes — der deutschen Romanik — auf eine neuschöpferische Weise erbaut.
     Im Beispiel des Gerichtsgebäudes kommt vornehmlich die italienische Renaissance zu Zuge. Da sich die Renaissance ihrerseits (z.T. lautstark) auf die Antike beruft, nicht weniger als der Klassizismus hernach anstrebte, kann man dem Gebäude in seiner Gliederung die Nähe zu weinbrennerschen Grundsätzen leicht ansehen: Sockelstreifen, hohes Sockelgeschoss, Piano Nobile und Dach mit Gesims. Auffällig sind sowohl der ausgesprochen hohe Sockel als auch das markante plastische Balkenkopf-Gesims des Daches sowie insgesamt die  Horizontalisierung des Gebäudes, welche ihre Affinität zu Weinbrenner ebenso wenig verhehlen können wie das gewählte Fassadenmaterial. Der optisch weiche Verputz sollte Hübsch nur wenige Jahre dienen, um dann dem (auch optisch) härteren Material Naturstein zu weichen. Auch die schwachen Wandvorlagen als eine Art regelmäßige Pilasterordnung vermögen noch an den Meister zu erinnern — solche Stringenz sollte sich im Werke Hübsches gleichfalls abschwächen.
    Auf den ersten Blick mag dem Betrachter die Einordnung in den Stil Weinbrenners widerstreben — Kontinuität kann erst auf den zweiten Blick ausgemacht werden. Wir sehen einen Übergangsstil, der noch Weinbrenner atmet und auch deshalb fein anzusehen ist.
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Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale und Wirkungen; Betrachtung des Gebäudes vor Ort; Bauzeit abgeschätzt, Baumeister vermutet


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