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Evangelische Kirche in Fahrenbach (Neckar-Odenwald-Kreis) / Karl Brenner / 1824-26
Die Ortsmitte des Dorfes Fahrenbach im Odenwald markierend, gehört dieser Kirchenbau zu den schönsten im Stile Weinbrenners. In zweierlei Hinsicht erlaubt sich dieses Werk Abweichung vom (primären) Grundtypus der weinbrennerschen Kirchen — nicht zu seinem Schaden, vielmehr zur Bereicherung.
Beide Maßnahmen sind augenscheinlich: zum einen die Verwendung des eher seltenen tertiären Grundtypus, als Absage an die Durchdringungsfigur der klar definierten Baukörper Langhaus und Kirchturm — statt dessen kann sich das Langhaus frei entfalten und der Campanile schrumpft zum Dachreiter, der aber weiterhin die Eingangsseite markiert. Zum anderen die Materialwahl — statt optisch "weichem" Verputz gelangte Naturstein in Gestalt des hiesigen roten Sandsteins zu Ausführung.
Die Eingangsseite stellt wie bei allen Weinbrenner-Kirchen den dominierenden Blickfang. Den besonderen Reiz dieser Ausführung bildet das sich in aller Ruhe entfaltende Kirchenschiff — als einfacher rechteckiger Körper, Satteldach-gedeckt und frontseitig den obligatorischen Dreiecksgiebel zur würdevollen Schau stellend, stört kein durchdringender und kraftvoll auffahrender Turm die Fassade. Wo beim primären oder sekundären Grundtypus der klassizistischen Kirchen Badens eindeutig das Spannungsmoment sich ineinander schiebender Baukörper die Attraktion bedeutet, gefällt diese Ansicht durch ihre unaufgeregte, ja majestätische Ausstrahlung. Wie nur selten im Weinbrenner-Kirchenbau kann man sich am wie immer steilen Dreiecksgiebel ganz unbeeinträchtigt erfreuen. Dabei erhält dieser einen angenehmen und verblüffend einfachen Akzent durch den vertikalen Schlitz, der die steile, vertikale Dimension des Giebels unterstützt.
Das Fahrenbacher Gotteshaus darf sich weiterer gestalterischer Höhepunkte "rühmen". Nicht minder interessant nämlich der leicht zurückgesetzte Dachreiter, der wie die Kirchtürme eine abgesetzte Spitze mit Schallfenstern besitzt. Ungewöhnlich das Turmdach, das auf jeder Seite einen kleinen fein gearbeiteten Dreiecksgiebel erhält, außerdem auf die typische Knickfigur für das demnach reine Zeltdach verzichtet. Der Dachreiter besitzt insgesamt also gleich vier Dreiecksgiebel; eine sehr ungewöhnliche Konzeption, die alleine im Gotteshaus in Au am Rhein (Sammlung '2') eine Parallele besitzt.
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