Baukunst in Baden
  Haslach Gasthof (15)
 

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Fürstenberger Hof in Haslach (Landkreis Ortenau)   /   1840

Ein beachtlicher Gasthof, durch palaisartiges, "herrschaftliches" Gepräge auffallend. Vor den Toren der Altstadt Haslachs (Kinzigtal) gelegen, lässt sich hinter der ruhigen, erhabenen Fassade, die durch den von toskanischen Säulen getragenen Balkon repräsentativen Charakter erfährt, zuungunsten der tatsächlichen Hotel-Funktion ein städtischer Adelssitz vermuten.
     Über die nicht geringe Anzahl von neun Fensterachsen verfügend (Schauseite) verteilt sich der Fürstenberger Hof über drei Stockwerke, die von einem schlichten Walmdach (in Reinform) gedeckt werden. Die beruhigende Wirkung der Eingangsseite resultiert vor allem aus der großen gelben Fassadenfläche, die zwar einen Sockelstreifen, nicht aber das im Weinbrenner-Stil regelmäßig verwendete Sockelgeschoss beansprucht. Die waagrechte Schichtung und damit die horizontale Wirkung tritt zurück zugunsten des in sich ruhenden Fassadenbildes — die Horizontale kann sich nur noch auf die Applikate der Gesimsbänder berufen.
     Das mittlere als das Piano-Nobile-Geschoss wird durch Balken-Verdachungen über den Öffnungsrahmen hervorgehoben und natürlich durch den repräsentativen Balkon mit fein gearbeitetem Eisengeländer. Letzterer findet sich durch das umlaufende Gesimsband an den Baukörper "gebunden". Die Lastabtragung übernehmen die nur ungefähr einen Meter vor dem Gebäude stehenden toskanischen Säulen und auf Fassadenebene vier kraftvolle Pilaster, deren mittlerer Pilaster-Abstand für den in die Gebäudemasse einschneidenden Eingang aufgespart wurde.
     Das auffälligste weil für den weinbrennerschen Klassizismus untypisches Detail bedeuten die mächtigen Eckbetonungen, die zudem unvorteilhaft übergangslos in das auskragende Dachgesims fahren. Immerhin spannen sie an diesen beiden Punkten ein das Gebäude schmückendes Band zwischen sich, welches zusammen mit den Mezzanin-Fenstern einen wohltuenden Abschluss der Fassade bedeutet. In diesem Sinne besitzen auch die Eckbetonungen einen nicht unangenehmen die Fassade rahmenden Effekt. Jedoch vereiteln sie die von Weinbrenner eindeutig preferierte Wirkung des reinen Baukörpers bei Gebäuden ohne die Fassade strukturierenden Säulen- oder Pilasterordnungen. Dementsprechend sind sie beinahe ohne Vorbild, können sich lediglich auf die untere Turmpartie der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhes berufen.
     Möglicherweise gelten die Eckbetonungen als Zugeständnis an den 1840 seit nunmehr 14 Jahren amtierenden Weinbrenner-Nachfolger Heinrich Hübsch, der allenthalben wuchtiger körperhafter Wirkung absagte und einen neuerlich dekorativen Umgang mit dem Baukörper zunehmend auch von den ihm unterstellten Architekten einforderte. Die Überkleidung der Gebäudeecken wurde dabei zum integralen Bestandteil. Freilich gerieten diese bei Hübsch weit feinsinniger und auch homogener bei der Verquickung mit horizontalen Gliederungselementen. Der Architekt des Fürstenberger Hofes beugte sich also den Fassaden-Ansprüchen des nun tonangebenden Oberbaudirektors Hübsch, jedoch mit den alten "rauhen" Mitteln, die noch Friedrich Weinbrenner bereitstellte.
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Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale und Wirkungen; Betrachtung des Gebäudes vor Ort
2) örtliche Informationstafel


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