Baukunst in Baden
  Katharinental Hof (39)
 



ein Bild
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Hofgut Katharinental bei Pforzheim   /   Friedrich Weinbrenner   /   1808-09

Nahe Pforzheim konnte Weinbrenner das zweite Mal (von insgesamt vier Gelegenheiten) auf den Spuren Palladios wandeln. Während er in den bereits vorgestellten Beispielen von Bad Rotenfels und Bauschlott (und auch beim abgegangenen Landhaus Meinau bei Straßburg) dem großen Baumeister des 16. Jahrhunderts gemäß tatsächlich herrschaftliche Gebäudegruppen in freier Landschaft schuf, musste er sich im Falle des Pachthofes Katharinental mit einer nun einzig der Landwirtschaft dienenden und auf repräsentativen Charakter verzichtenden Anlage eines nüchternen Gutshofes begnügen. Was Weinbrenner nahe Pforzheim schuf war im Grunde nicht mehr als ein großer Bauernhof.
     Aber immerhin, involvierte man Weinbrenner, so blieb bei aller Kargheit und allem Verzicht auf schmückenden Dekor der kraftvolle Ausdruck der Anlage garantiert. Das Gebäudeensemble wurde der monumentalen Wirkung zugeführt, welche dem Betrachter eingedenk der üblichen Bauweise von Bauernhöfen durchaus merkwürdig anmutet, und man endlich nur schwer vom Gedanken abkommen will ein irgendwie doch herrschaftliches Gebilde vor Augen zu haben.
     Letztlich stand ohnehin zur Verfügung, was Weinbrenner für die Ausführung einer stilgerechten Anlage bedurfte: schlichte Gebäudemassen. Diese gruppierte er diszipliniert und der gängigen Symmetrie folgend um einen rechteckigen Hof nicht geringer Größe, dabei das Wohnhaus des Verwalters an die Landstraße und als eine Art Kopfbau platzierend, das große Scheunengebäude an die gegenüberliegende Querseite und die beiden gleichfalls langen und in sich symmetrischen Ställe  an die Längsseiten. Weinbrenner schuf eine geschlossene Hofanlage, die den Burgen nicht unähnlich einen durchaus wehrhaften Charakter führt, welcher sich spätestens angesichts des zinnenartigen Fassadenbildes der Stall- und Scheunengebäude einstellt.
     Beginnen wir die eingehendere Betrachtung beim Wohnhaus des Verwalters (und des Gesindes), welches durchaus gefällige Fassaden aufweist, im Grunde aber einzig aus der Eigenschaft des freistehenden Blockes seinen Reiz bezieht. Sieben Fensterachsen auf Vorder- und Rückseite, zwei an den Querseiten, verteilt über ein Sockelgeschoss und dem zweistöckigen Abschnitt des Piano Nobile und gedeckt von einfachstem Walmdach treiben ein durchaus lebendiges Spiel verschiedener Öffnungsformate. Trotzdem kommt man nicht umhin, die Abänderung der Baupläne zu bedauern, welche auf der Eingangsseite statt des dritten Geschosses ein großes und mit einfachem Dreiecksgiebel versehenes und kraftvoll aus der Dachfläche aufsteigendes Zwerchhaus im Sinne hielten. Von den beiden Hoftoren rechts und links des Gebäudes konnte zumindest eines erhalten werden, welches dank zweier säumender Pfeiler mit dorisierenden Kapitellen ausnahmsweise auch dem Detail einen gewissen Anspruch verleiht.
     Die gegenüber liegende Querseite der Anlage nimmt das große Scheunengebäude ein, das zwar nüchtern, aber unter Zuhilfenahme rundbogiger Einfahrten und des zinnenartigen Fassadenabschlusses einen reizvollen Eindruck macht. Das dunkle Dachgesims, das bei näherem Hinsehen plastische Balkenköpfe besitzt, nimmt sich dergestalt zurück, dass die großen und ruhevollen Dachflächen direkt auf den Zinnen zu liegen scheinen. In der Tat sehr reizvoll.
     Auch die beiden Stallgebäude beeindrucken. In sich dreiteilig und symmetrisch angelegt besitzen sie, nach der Ruhe der Scheune, wieder einen wuchtigen, beinahe bulligen Eindruck indem sie jeweils die mittlere Partie risalitartig nach vorne schieben. Die Seitenflügel weisen für Weinbrenner untypisch feingliedriges Fachwerk auf, die mittleren Abschnitte kommen als körperhafte Putzbauten. Deren Mitte erfährt durch zwei übereinander gesetzte Eingänge (dazwischen eine Balkenverdachung auf Rundkonsolen) Betonung; rechts und links davon spannungsvolle (fast) quadratische Öffnungen und darüber wiederum die schon bewunderten Zinnen, als ein zentrales Motiv der Hofanlage. Beide Mittelrisalite haben heute leider ungünstige Anbauten zu erdulden.
     Lässt man den reinen Zweckbau eine zeitlang auf sich wirken, vernimmt man auch hier den Geist Weinbrenners ganz deutlich.
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Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale und Wirkungen; Betrachtung des Gebäudes vor Ort
2) Arthur Valdenaire "Friedrich Weinbrenner: Sein Leben und seine Bauten", C. F. Müller, 4. Auflage  Heidelberg 1985 (im Original: Braun Verlag, Karlsruhe 1926)
3) Website  
www.kuenstlergilde-buslat.de


 
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