Baukunst in Baden
  Lahr Landvilla (35)
 

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Landvilla in Lahr (Landkreis Ortenau)   /   Hans Voss   /   1819-21

Hans Voss, unter den gelehrigsten wie talentiertesten Schülern Weinbrenners — und häufig treffen wir in den Sammlungen auf seinen Namen — entwirft hier in der Nähe des historischen Stadtkerns von Lahr eine Landvilla von nicht geringem Reiz. Zunächst ergreift das effektvolle Zusammenspiel mit einem englischen Landschaftspark, klein genug zwar, aber entschieden verteidigt gegen die verschiedenen Siedlungserweiterungen, welche Park und Villa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts denn ganz umspülten.
     Auf der einen Seite also das amorphe der Landschaft, auch eine ansteigende Topographie geschickt nutzend; dazu das lebendige Spiel der Bäume und Sträucher. Die Formen der Natur also weich und fließend, dem Auge wohlbekannt und dem aufmerksamen Geist die immerwährende Freude. Dann der Eingriff (oder Angriff?) von Voss. Ein Gebäude karg, streng, kompromisslos gezeichnet. Erst jetzt, die Natur hat ja lange genug abgelenkt, begreift man die eigentliche Armut, die beinahe vollendete Schmucklosigkeit des Gebäus.
     Voss schiebt einfach zwei Quader ineinander, also ein Kreuz bildend. Der kürzere der beiden gefällt sich dennoch als der wichtigere, die beiden Eingänge bereitstellend. Beide zweigeschossige Quader sind von Satteldächern gedeckt, welche an den Enden insgesamt vier Dreiecksgiebel formen. Die beiden Giebel des kürzen Quaders sind dominanter, steiler komponiert, was wiederum einen Vorzug dieses Gebäudeteiles unterstreicht. Jene vier Dreiecksgiebel aber, von kräftigen Balkenköpfen begleitet, angenehm akzentuiert von Halbkreisfenstern, sie alleine adeln das Gebäude selbst. Sonstiger Schmuck nämlich, alleine eine Balkenverdachung (auf Rollwerkkonsolen) des Garteneinganges vollbringt eine Ausnahme, fehlt vollkommen. Einmal mehr der Seiltanz des formalen Minimums; bis zu dem Punkte dass selbst die Entfernung der an und für sich wenig bedeutenden Fenster-Klappläden schon einen entscheidenden Eintrag bedeuten würde. Der belebenden Glieder sind so wenige, dass nicht ein einziges entbehrt werden kann.
     So würde die Landvilla, ohne weiteres modellartig karg, in einem urbanen Kontext kaum den zweiten Blick auf sich ziehen können. In ihrem englischen Garten aber, von dessen Schönheit billig profitierend, ja durch die eigene Flächigkeit und Kargheit geschickt kontrastierend, da ergibt sich denn leicht ein gar vorzügliches Bild. In solchem Gegensatze zur Natur, bei knapp erreichter Einlösung des formalen Minimums ja keineswegs hässlich und obendrein vom Reiz der Baukörperverschneidung trefflich profitierend, wird die Landvilla nun ihrerseits zu einem sicheren Zielpunkte der Landschaftsanlage, vom Auge auch nach mehrmaliger Examinierung immer wieder auf's neue gesucht.

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Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale und Wirkungen; Vorort-Betrachtung des Gebäudes
2) Hubert Kewitz "Der Weinbrenner-Schüler Johann (Hans) Voß", Artikel aus "Geroldsecker Land" 1974, Heft 16, S. 89-103; Planung/Erbauung 1819-21, Hans Voss wird als Baumeister vermutet (sicher zurecht)
 

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