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Schloss Rotenfels


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Das Schloss zu Bad Rotenfels bedeutet gleichsam das Kleinod des Murgtales, situiert noch in der Nähe des Talausganges, am südwestlich begrenzenden Höhenzug. Das Tal besitzt hier beachtliche Breite, welche sich vom Schlosse aus als ein schöner Prospekt entfaltet.
     Friedrich Weinbrenner entwarf das Landhaus (heute nicht zu unrecht Schloss genannt) im klassizistischen Stil für Markgraf Wilhelm von Hachberg über einen in seiner Grundform zu berücksichtigenden Vorgängerbau, welcher lustigerweise eine Manufaktur war. Gewiss das einzige Schloss in Deutschland, das über einer alten Fabrik erbaut wurde! Wenn man so will auch die lustigste Blüte markgräflicher Sparsamkeit (Beispiele dieser Art findet man auch in Heidelberg-Rohrbach oder Bauschlott, wo gleichfalls aus Kostengründen Vorgängerbauten zu berücksichtigen waren).
     Der Landsitz samt zahlreicher Nebenbauten wurde ab 1817 ausgeführt — er darf zu den besten Werken Weinbrenners gezählt werden (was allerdings nur für die Eingangsseite gilt, die Rückseite fällt wiederum aus Kostenersparnis formal zu bescheiden aus).
     Zuvörderst die Gebäudeproportion und die zentrale Geste fallen ins Auge. Das Landhaus nämlich, zweigeschossig, besitzt eine reizvolle, schlossartige Länge. Dieser stellt sich in Gebäudemitte ein veritabler Tempelportikus auf hohem Sockel entgegen. Während nun der eigentliche Gebäudekörper von großer Detail-Zurückhaltung, ja schmucklos, trumpft die Säulenfront umso reicher auf. Der Sockel aus rotem Sandstein wird von zwei Freitreppen erschlossen. Darüber sechs wohl dorische, aber für Weinbrenner ungewöhnlich zierliche Säulen. Dann der flache Dreiecksgiebel auf ionischem Fries. Weinbrenner komponierte seine Gebäude frei, vermischte zu diesem Behufe dorisch und ionisch ganz bewusst — dieser kreative Umgang war ihm wichtiger als die möglichst originalgetreue Kopie antiker Säulenordnungen. Die Materialwahl des Sockels (und der Freitreppen) sowie die Feingliedrigkeit von Säulen und Giebel kontrastieren vortrefflich zum langen verputzten Baukörper des Schlosses — auch bringen die Säulen, für die Gesamtschau wichtig, die vertikale Wirkrichtung ins Spiel (welche wiederum von spannungsvoll kontrastierender Wirkung zur Horizontale des langgestreckten Baus).
     Rechtwinklig zum Schlossbau bilden zwei wiederum lange Nebengebäude eine Art Ehrenhof aus (wie er solchem Landsitze gut anstand), welcher sich in Richtung Murgtal öffnet. Für eine gute Aussicht in dasselbe bietet sich der Sockel des Säulenportikus an. Von hier aus erst lässt sich der eine Bundestrasse abschirmende Damm überwinden, und man genießt einen weiten Blick ins Tal.
     Von den anderen Nebengebäuden, darunter ein Badhaus, und am schönsten das sogenannte Römische Haus (ein vortreffliches Garten- und Lusthaus auf einem Felsen, dessen Verlust — gelitten durch Vernachlässigung — ein bitterer Verlust), steht nur noch der nach einem Brand in den 1990ern wiedererrichtete Schießturm — ein lustiges hölzernes Gebäu, Miniaturausgabe eines Wehrturmes.
     Auch das Murgtal profitiert vom Schloss, namentlich von der Tempelfront, die aus der Ferne über dem genannten Damm von sehr schöner Wirkung. Die antike Formensprache macht sich ausgezeichnet vor der hochstrebenden Talwand, und weil solcher Anblick durchaus ein seltener, besitzt er an Griechenland oder Italien erinnernde Exotik.

Quellen
1) die Bauwerke selbst - Stilmerkmale; Schloss und Landschaft
2) Dr. Emil Lacroix und Dr. Heinrich Niester "Kunstwanderungen in Baden", Chr. Belser Verlag Stuttgart, Ausgabe 1959
3) Arthur Valdenaire "Friedrich Weinbrenner: Sein Leben und seine Bauten", C. F. Müller Verlag, 4. Auflage  Heidelberg 1985 (Braun Verlag, Karlsruhe 1926)
4) örtliche Informationstafeln


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