Baukunst in Baden
  Schloss Sachsenflur
 

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Zwischen Boxberg und Lauda-Königshofen, im schönen, im sanft geschwungenen Umpfer-Tal, welches durchflossen vom kleinen Bachlauf gleichen Namens, findet sich im Dorfe Sachenflur ein Schlösschen fein und eigen. Es ist der Kernbau eines fränkischen Landadelssitzes, altes Fachwerk, zurückreichend bis ins 16. Jahrhundert, in die Tage der Spätgotik — das vor allem zeichnet diesen Schlossbau aus. Fachwerk nämlich an einem solchen Gebäude und von diesem Alter, darf als ausgemachte Seltenheit bestaunt werden! Wohl wurde auch diese Art Gebäude im 16. Jahrhundert (natürlich auch in den Jahrhunderten zuvor) standardmäßig in Fachwerk ausgeführt. Alleine was nicht durch Feindeshand abging, wurde trotzdem Raub von Flammen, entsprungen dem Unfall (z.B. Blitzschlag) oder Leichtsinn. Und was dennoch jene hohen Hürden nahm, musste endlich und zumeist barockisierende Umbauten über sich ergehen lassen. Früher oder später kam für jeden Schlossbau in Fachwerk das Aus — so aber nicht, und zu unserem großen Glück, im kleinen Sachsenflur.
     Betrachten wir zunächst das reizvolle Gesamtarrangement. Der Kernbau, Rest einer einst größeren wehrhaften Burganlage, zeigt sich in Gestalt eines Winkel, gebildet aus der für die Gestaltung geschickt erhöhten Eckpartie, an welche sich zwei ungleich lange, niedrigere Seitenflügel anschließen. Als i-Tüpfelchen wurde ein polygonaler Treppenturm mit Zeltdach an die Innenseite des Winkels platziert.
     Erfreuen wir uns sodann am spätgotischen, noch alemannischen Fachwerk, welches der erhöhte Gebäudeteil und der kürzere der beiden Flügelanbauten noch zeigen. Signifikant hierbei die weite Stellung der vertikalen Hölzer (Ständer) und die Verblattung (der sichtbare Übergang der Streben, also der Schräghölzer in die Ständer und Schwellen, also in die vertikalen Hölzer und die horizontale Hölzer auf Fußbodenhöhe). Auch die auffällige Strebenkomposition, gleich einer X-Form, deutet vor allem noch auf die alemannische Machart. Freilich haben sich hier und da Einfügungen eingeschlichen und der längere der beiden Seitenflügel hat per enger Ständerstellung dem alemannischen Bild zugunsten des fränkischen abgesagt.

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 Am spannendsten ist vielleicht das Zusammenspiel mit der unmittelbar benachbarten Kirche. Diese entstammt spätem 18. Jahrhundert und zeigt keinerlei Gebäudeschmuck. Die Fassaden, nur von Öffnungen gegliedert, sind glatt verputzt, so dass sich die Baukörper Kirchturm und Langhaus als reine Körper erzeigen. Deren nackte Flächen gehen nun in den wunderbarsten Kontrast mit dem feingliedrigen, detailreichen Fachwerk-Schlösschen; auch trefflich das Zusammenspiel der beiden Türme, welches die Gesamtschau nurmehr vollendet. Gebührt dem Gotteshaus ob seiner Funktion natürlich die höhere Ehre, so in Sachen Gestaltung eindeutig dem Schlösschen als entscheidender Anteil des Duos. Wohl nämlich besitzt das Schloss alleine betrachtet großen Reiz, dem Kirchenbau dagegen steht, ohne den kongenialen Partner, ob seiner nackten Schmucklosigkeit zumindest kein übermäßiges Lob an.
     Das Schlösschen übrigens verdient auch als positives Beispiel privaten Engagements Würdigung.  Daniederliegend, halb verfallen, nahm sich nämlich auf Initiative des Förderkreises Schlösschen Sachsenflur ein privater Investor des Gebäudes an. Im Jahre 1986 wurde es also unter großem Aufwand restauriert.


Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale; Schloss und Landschaft
2) Website  www.lauda-koenigshofen.com
3) örtliche Informationstafel

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