Baukunst in Baden
  Stein
 

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Stein, ein lustiger Name für einen Ort, ist sozusagen die "bessere Hälfte" der seit 1974 vereinigten Doppelgemeinde Königsbach-Stein. Königsbach, wenige Kilometer entfernt, besitzt mit Kirche, Schloss und Rathaus zwar drei vortreffliche Bauwerke, im ganzen aber nur wenig Schönheit. Stein dagegen kann sich auf beides berufen: Wohlgestalt im kleinen wie im großen (was wie immer nur für den historischen Kern gilt).
     Stein war von alters her ein Mittelding zwischen Stadt und Dorf — ein Umstand, der noch heute leicht nachvollziehbar — Alt-Stein schwankt nämlich zwischen urbaner Dichte im Zentrum und direkt anschließend dörflich lockerer Bebauung. Wiewohl insgesamt nur von geringer Größe, präsentiert sich aber alles als entzückendes Fachwerk-Kollektiv, geadelt endlich durch vier besondere Bauwerke.
     Der Ort findet sich erstmals belegt durch eine klösterliche Urkunde (Hirsauer Kodex) aus dem Jahre 1150 — eine erste Burg dagegen entstand hier wohl schon ab 900. Spätestens ab 1350 gelangte Stein dauerhaft an die Markgrafschaft Baden. Sie war es, die den Ort mit Wällen, Gräben und Torbauten befestigte, also auch die dichtere Bebauung ursprünglich ins Leben rief. Stein, im Land der sanft geschwungenen Hügel zwischen Karlsruhe und Pforzheim lag zwar durchaus abseits, kriegerisches Ungemach aber blieb dem Ort trotzdem nicht erspart. Namentlich der gründlich ruinierende Pfälzische Erbfolgekrieg machte im Jahre 1692 schwer zu schaffen; ja selbst der Zweite Weltkrieg zog Bombardement und Artilleriefeuer nach dem kleinen Stein, was sehr schlimm (acht Menschen starben), in diesem Falle den Baulichkeiten jedoch eher partielle Zerstörung bedeutete.

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Ansonsten nämlich gebe es kein zierliches Fachwerk-Idyll zu genießen. Am Marktplatz, im Grunde die aufgeweitete Hauptstraße des Ortes, im eigentlichen Zentrum also, reihen sich die FACHWERKHÄUSER dicht aneinander. Die meisten Bauten, zweigeschossig, teilweise mit massivem Erdgeschoss, mal trauf- mal giebelständig, stammen aus dem 18. Jahrhundert, zeigen vor allem den fränkischen Stil, wobei sich wie beinahe immer in dieser Gegend Badens auch alemannische Einflüsse noch bemerkbar machen; ein schöner Mischstil also, hier und da auch mit Schmuckformen, vor allem aber das Bild feingliedriger Lebendigkeit. Das alles aber gewahrt man erst, wenn man sich vom überragenden RATHAUS weggerissen hat: ein Prachtbau seltener Schönheit, errichtet ab 1520, zweifellos eines der schönsten Fachwerkhäuser Badens. Das nun ist auch aus anderem Grunde aufsehenerregend, ein merkwürdiges Schicksal nämlich brachte für beide Teilorte, also auch für Königsbach vortreffliche Fachwerk-Rathäuser — einmalig in Baden!
     Nicht zuletzt auch echte Kuriosität, die beiden Bauten ähneln sich nämlich weit mehr als sie Unterschiede zeigen. Beide weisen mit spitzem Giebel zur Straße, stehen hier auf fünf kunstvoll gearbeiteten hölzernen Säulen (die jeweils auf einem Mauerstreifen Fundament nehmen), zeigen die Schmuckelemente vor allem im ersten Obergeschoss, balancieren schließlich barocke, zierliche Dachreiter. Aufgrund der frappierenden Ähnlichkeit kommt man nicht umhin einseitige vielleicht auch gegenseitige Inspiration zu vermuten. Der größte Unterschied steht schlicht in der Größe, die Steiner Ausführung nämlich kommt breiter wie höher, kreiert unterm Strich einen monumentalen Ausdruck, der gerade am Marktplatz von sehr glücklicher Wirkung.
     Nachbarbau des Rathauses, das zweite auffällige Bauwerk, das EHEMALIGE FORSTAMT, auffällig vor allem, weil mit barocken Putzfassaden in grellem Kontrast zur umgebenden Fachwerkwelt. Lobenswert zuvörderst durch die Fortführung der vom Rathaus begonnenen Arkade — in Gestalt starker, steinerner Bögen. Auch darüber hinaus ein schönes homogenes Gebäude späten Barocks, schmuckreich wirkend vor allem durch die zahlreichen Lisenen (mit Putzrillen).
     In nicht allzu großer Entfernung lugt der STORCHENTURM, weithin sichtbares Wahrzeichen Steins, hervor. Der viereckige Turm des 16. Jahrhunderts ist das Überbleibsel der einst hier ausgeführten BURG. Letztere wurde im 18. Jahrhundert endgültig abgetragen, der Turm dagegen, immerhin noch als Gefängnis brauchbar, verlor nur den Oberbau. Das rohe Gebäu zeigt noch wehrhaften Charakter und bereichert, allenthalben sichtbar, mit seiner vertikalen Gestalt das Bild des Ortes auf's reizvollste — schönstes "Stadtmobiliar".

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Das letzte im Bunde der vier Bauwerke stellt die von 1460-1474 erbaute STEPHANUSKIRCHE. Ein wahres Kleinod landgotischer Baukunst vor allem weil im Äußeren ohne spürbare Eingriffe der folgenden Stilepochen. Ein ruhevolles Gotteshaus mit niedrigem Turm (dafür hohem Turmdach), in die Mauermasse gedrückten Maßwerkfenstern und einem mit Strebepfeilern versehenen Chor. Der schöne Eindruck vollendet sich durch die Lage am Wannenberg, welche die Stephanuskirche über die Fachwerkbauten erhebt und Sorge trägt für den Blickkontakt mit dem Storchenturm am anderen Ende des Ortes.
     Dem feinen Stein, man könnte ihm allenfalls vorwerfen den bestens angeregten Appetit nicht ausreichend zu bedienen. Kaum hat man sich in die schönen Straßenzüge eingearbeitet, schon bemerkt man das schnelle Ende derselben. Das Auge, bereit weit mehr aufzunehmen, wird unversehens ausgebremst, gleich einem halbvollen, noch knurrenden Magen. Das aber darf man wirklich nur mit einem Augenzwinkern anmerken.


Quellen
1) die Bauwerke selbst - Stilmerkmale; Stadt und Landschaft
2) Dr. Emil Lacroix und Dr. Heinrich Niester "Kunstwanderungen in Baden", Chr. Belser Verlag Stuttgart, Ausgabe 1959
3) Website  www.koenigsbach-stein.de

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