Evangelische Kreuzkirche in Unteröwisheim (Kraichtal, Landkreis Karlsruhe) / Karl August Schwarz / 1825-28
Die Unteröwisheimer Kirche zeigt ein beeindruckendes Kirchenschiff. Dem primären Grundtypus verpflichtet, hatte der Kirchturm dagegen eine nicht gering verändernde Umgestaltung (Ende 19. Jahrhundert) zu erdulden — ein Schicksal, das dem beigeordneten Kirchenschiff erspart blieb. Der Umbau, der Ziele der Neo-Renaissance (deutscher Eigenart) ganz zeitgemäß verfolgte, veränderte das Aussehen des Turmes nicht unerheblich, glich ihn aber auf merkwürdige Weise durchaus der Lebendigkeit des Schiffes an.
Der Kirchturm durchdringt also auf der dem Dorfe zugewandten Schauseite das Kirchenschiff, wobei er der symmetrischen Komposition gehorchend den Haupteingang stiftet. Ursprünglich gab sich der Turmkorpus von schroffster Natur: der Eingang (lediglich von einer Balkenverdachung auf Rollwerk-Konsolen akzentuiert), ein Gesimsband (ausgehend vom Geison des Schiff-Giebels) und ein Halbkreisfenster stellten dem Korpus die einzigen Eingriffe. In lebendigem und gekanntem Kontrast trat die auf jenem stehende Turmspitze, welche mit je vier Eckpilastern und Glockenöffnungen (deren Bögen auf dem stets aufwertenden Kämpfergesims Halt finden) unter Gebälk und geknicktem Zeltdach der Schroffheit der ersten Turmstrecke die übliche Detailfülle des Glockengeschosses entgegenstellte. Heute besitzt der Turmkorpus eine große Gedenktafel und vor allem eine unruhige Quaderwerk-Eckbetonung. Letztere findet sich auch über den Eckpilastern, wo sich ebenso das Dach, in vier Giebel aufgefaltet, sehr verändert hat.
Und dennoch der "Schaden" hält sich in Grenzen. Quaderwerk und Verputz auf dieselbe Fassadenebene nivelliert, behält der Korpus — bei aller Unruhe — seinen körperhaften Charakter und vermag durch das lebhafte Moment in Korrespondenz zu treten mit dem von ihm durchschnittenen Kirchenschiff.
Das Kirchenschiff kann zweifelsohne als gelungene Überführung des hier stets körperhaften Charakters in den einer konstruktiven Anordnung gelten. Die wuchtige Masse wurde optisch vollständig in separate Konstruktionsglieder aufgelöst. Weiterhin achtete der Architekt auf nur geringe Tiefen derselben, so dass das bereits offenkundige Moment der Lebhaftigkeit in dem der Leichtigkeit einen glücklichen Weggefährten findet. Statt einem wuchtigen massiven Körper lässt sich in Unteröwisheim das leichte Spiel von Pilastern und Bögen bewundern. Das jedoch bedeutet keineswegs, dass der weinbrennersche Geist kein Bleiberecht besäße — ganz im Gegenteil fußt die Grundidee auf dem für den Meister typischen breit angelegten Pilaster. Das Schiff entsagt der Natur des wuchtigen Körpers, aber nicht dem kraftvollen aufstrebenden Gedanken — es arbeitet konsequent im Stile Weinbrenners, doch auf einzigartige Weise: das Kirchenschiff zu Unteröwisheim darf als ein Unikat geachtet werden.
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Sich am Ergebnisses erfreuend, blieb der Weg zu demselben weitgehend auf der Strecke. Das Schiff wird allseitig von Rundbogen-Nischen umwandert. Diese bilden sich jeweils über ein hohes Rundbogen-Fenster und ein Rechteck-Fenster, die sich samt verbindendem Mauerabschnitt und bis auf den Sockelstreifen laufend negativ in den Fassaden abzeichnen. Die Wandabschnitte zwischen den Nischen (in der Mitte schmäler und sehr breit an den Ecken) zäsieren sich von den Rundbögen durch ein dorisierendes Kämpfergesims. Die visuelle Folge: umlaufend tragen zahlreiche Pilaster die entsprechende Menge Rundbögen. Das ist die dominierende Idee.
Auf dem Wege zum Dach bildet ein plastischer Balkenkopf-Kranz den abrundenden Fassadenabschluss. Ein weiteres gutes Detail trifft man auf der Rückseite, deren Nebeneingang von kleineren aber gleichfalls kräftigen Pilastern, ein hohes Gebälk tragend, Säumung aufweist. Nicht zuletzt durch diesen Eingriff weiß die Querseite um einen geglückten bildhaften Aufbau.
Im originären Zustand setzte der schroffe Turmkorpus einen sicheren Gegenakzent zum konstruktiven Spiel des Schiffes. Heute sind beide gleichermaßen belebt — der eine besser, der andere schwächer. Entscheide der Leser, welcher Fassung der Vorzug gebührt.
Richtigstellung: der für den Weinbrenner-Stil sehr ungewöhnliche Turm ist der Originalität Schwarzes geschuldet und keiner späteren Umgestaltung. Die oben beschriebenen Wirkungen sind davon unberührt, als bemerkenswerte Schöpfung Schwarzes umso höher einzustufen. _
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_ Quellen
1) das Bauwerk selbst - Stilmerkmale und Wirkungen; Betrachtung des Gebäudes vor Ort
2) Dr. Emil Lacroix und Dr. Heinrich Niester "Kunstwanderungen in Baden", Chr. Belser Verlag Stuttgart, Ausgabe 1959
3) Website www.evkirche-uoe.de
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